Reiten im Winter und in Kälteregionen: Island, Salzburg und Québec
Reiten hört im Winter nicht auf. In einigen der spektakulärsten Reitregionen der Welt ist der Winter gerade die richtige Jahreszeit — weite Schneelandschaften ohne Sommertouristen, Licht, das tief und golden steht, und Pferde, die in der Kälte besonders lebhaft gehen. Was sich ändert, ist die Vorbereitung, und wer das unterschätzt, friert oder, was schlimmer ist, bringt sich oder das Pferd in Gefahr.
Das Islandpferd und sein Fünfgang
Das Islandpferd ist eine eigenständige, seit über tausend Jahren züchterisch isolierte Rasse. Die isländische Gesetzgebung verbietet die Rückkehr ausgeführter Pferde, um den Genpool rein zu erhalten. Das Ergebnis ist ein Pferd, das an arktisches Klima, vulkanisches Gelände und langen Aufenthalten im Freien angepasst ist.
Das Besondere ist der Fünfgang: Neben Schritt, Trab und Galopp besitzt das Islandpferd zwei weitere Grundgänge, die anderen Pferderassen im Normalfall fehlen. Der Tölt ist ein Viertaktgang, bei dem das Pferd immer einen Fuß auf dem Boden hat — kein Schwebemoment, kein Wippen für den Reiter. Es ist ein ungewöhnlich bequemer Gang, der in hohem Tempo geritten werden kann und auf isländischem Lavagestein sicher ist. Der fliegende Pass (Skeið oder Flugskeið) ist ein Zweitaktgang, der nur über kurze Distanzen geritten wird und dem Pferd eine außergewöhnliche Schaulauffähigkeit gibt. Nicht alle Islandpferde haben einen deutlichen fliegenden Pass; Tölt wird von allen erwartet.
Geliehene Reitbekleidung in Island
Island hat eine pragmatische Lösung für das Klimaproblem entwickelt: Fast alle ernsthaften Reitoperatoren im Land verleihen vollständige Winterreitbekleidung. Das umfasst typischerweise wasserdichte Reithosen mit Thermoeinlage, schwere Reitstiefel oder wasserdichte Gummistiefel, Thermohandschuhe oder Fäustlinge, einen Reithelm und einen voluminösen Gesamtoverall oder Reitanorak. Das System funktioniert, weil Schauer, Wind und Temperaturen zwischen minus fünf und plus fünf Grad in Island auch im Sommer auftreten; im Winter kann es dramatisch kälter werden.
Eldhestar in Hveragerði und Íshestar in Hafnarfjörður, die beiden größten und bekanntesten Reitoperatoren der Insel, stellen beide vollständige Leihausrüstung zur Verfügung. Plane 15 Minuten für das Anziehen ein; die Schichten brauchen Geduld.
Winterschlittenfahrten: Salzburg und Québec
Pferdegezogene Schlittenfahrten sind eine eigene Kategorie des Winterreitsports, auch wenn man dabei nicht selbst auf dem Pferd sitzt. Im Salzburger Land und im Salzkammergut bieten verschiedene Reitbetriebe Schlittenfahrten mit Noriker-Kaltblütern durch verschneite Almentäler an; die schweren Zugpferde mit ihren geblümten Kummeten sind Teil des regionalen Kulturerbes und eine Attraktion für sich.
In Québec, insbesondere in den Laurentiden nördlich von Montréal und in der Region Charlevoix, betreiben Reitbetriebe Schlittenfahrten mit Canadien-Pferden und Standardbreds durch bewaldetes Tiefschneegelände. Einige Anbieter kombinieren die Schlittenfahrt mit einer Übernachtung in einem Waldchalet. Das Tempo ist Schritt und ruhiger Trab; es ist kein sportliches Erlebnis, sondern ein atmosphärisches.
Reiten ohne Beschlag im Schnee
Islandpferde werden in Island traditionell oft nicht oder nur teilweise beschlagen, selbst im Winter. Der Grund ist physikalisch: Ein unbeschlagener Huf hat mehr Flexibilität und schmiegt sich im Schnee besser an das Gelände. Ein beschlagenes Eisen kann auf festgetretenem Schnee oder Eis gefährlich rutschen; spezielle Winterbeschläge mit Stollen oder Gummipads können das kompensieren, sind aber aufwendiger.
Auf organisierter Winterausritten in Island und Skandinavien können Gäste darauf vertrauen, dass die Betriebe die Beschlagentscheidung für ihre Pferde professionell treffen. Eine Frage an den Betrieb, wie sie das handhaben, ist immer legitim.
Schichten: das richtige System für Kältereiten
Das Zwiebelprinzip ist auch im Reitsport die Grundlage, aber die Reiteranforderungen weichen von Wandern oder Skifahren ab: Man sitzt fest und bewegt sich wenig, ist aber exponierten Wind ausgesetzt.
Die Basisschicht sollte merino- oder kunstfaserbasiert sein und Feuchtigkeit vom Körper ableiten. Eine Mittelschicht aus Fleece oder leichter Daunenunterjacke hält die Körperwärme; für den Reitsport eignen sich Westen besser als Jacken, weil sie die Armfreiheit erhalten. Die Außenschicht muss windundurchlässig und spritzwassergeschützt sein; eine wattierte Reitjacke oder ein Softshell-Anorak sind besser als eine Skijacke, die für sitzende Aktivität zu voluminös ist.
Handschuhe verdienen besondere Aufmerksamkeit: Die Hände halten die Zügel und sind permanent Wind ausgesetzt. Innen-Handschuhe aus dünnem Merino-Strick plus Außenfäustling aus wasserdichtem Material funktioniert bei minus zehn Grad; Handwärmer in den Fäustlingen verlängern die Komfortgrenze auf minus fünfzehn. Finger, die taub sind, können die Zügel nicht führen — das ist ein Sicherheitsproblem, kein Komfortproblem.
Pferde in der Kälte
Pferde sind für Kälte physiologisch besser angepasst als viele Reiter denken. Ein gesundes, akklimatisiertes Pferd braucht bei minus zehn Grad keine Decke, wenn es ausreichend Raufutter bekommt und Windschutz hat. Das Winterfell eines Islandpferdes oder eines Noriker-Kaltbluts ist ein ausgefeiltes Wärmeregulationssystem. Schwitzende Pferde nach dem Ritt brauchen dagegen Aufmerksamkeit: Nasskalte Wolle kühlt aus; Abschwitzdecke oder vorsichtiges Abtrocknen und Eindecken sind nach winterlichen Ausritten wichtiger als im Sommer.
Winterreiten planen
Reitanlagen mit Winterprogramm, Islandhöfe und Reitbetriebe für Schlittenfahrten sind auf der Karte verzeichnet. Viele Betriebe kennzeichnen, ob sie Winterbekleidung verleihen oder ein spezifisches Winterprogramm haben.